Wer eine Weile in Übersee verbracht hat, der wurde zweifelsohne mit einigen kulturellen Unterschieden konfrontiert. Einer von diesen Unterschieden ist der Wochenkalender. Denn dieser beginnt in den Amerikas in den meisten Fällen mit dem Sonntag. Das ist für uns etwas ungewöhnlich und es bringt am Anfang auch den einen oder anderen Termin durcheinander. Doch die Tatsache, dass der Sonntag in unserem Kulturkreis der erste Tag der Woche ist, ist vollkommen richtig und man kann es in der Bibel leicht nachlesen (vgl. Mk 16,2).
Der ‹verlorene› Jesus
Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. (Lk 2,48)
Wunder der Zeit
So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. (Lk 2,16)
In der Mitte: Gott
So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. (Lk 2,16)
Der griechische Physiologus und die ägyptischen Wurzeln der frühchristlichen Naturdeutung
Kapitel im Buch
Der griechische Physiologus und die ägyptischen Wurzeln der frühchristlichen Naturdeutung, in: M. Sommer/S. Hallinger/B. Wyss (Hgg.), Transzendentales Ägypten. Jenseits, Himmel, Hölle und das Ende in antik-ägyptischen Diskursen. Studies in Cultural Contexts of the Bible (SCB), 271–292, Leiden: Brill 2024, https://doi.org/10.30965/9783657790760_014 (Open Access).
Abstract: Der Schmelztiegel des antiken Ägypten begünstigt die Entstehung spezifischer und charakteristischer Ideen über die Sphäre zwischen Tod und Jenseits: Vom ptolemäischen Ägypten bis zur Islamisierung in der Spätantike begegnen und durchdringen sich kulturelle Diskurse an den Schnittstellen zwischen ägyptischen, römisch-hellenistischen, jüdischen, christlichen und islamischen Denkwelten. Der Tagungsband untersucht transkulturelle Parallelen und Differenzen zwischen Vorstellungen über Diesseits, Jenseits und Transzendenz, die im antiken Ägypten entstanden und deren komplexe Rezeptionsgeschichte unser Denken bis in die Gegenwart hinein prägt. Die Beiträge nähern sich Wurzeln und Nachwirkung christlich-ägyptischer Traditionen aus Sicht der Ägyptologie, Alten Geschichte, Philologie, Philosophie, Theologie, Koptologie und Kunstgeschichte und veranschaulichen, wie historische Forschung zur Entstehung von Bildern und Ideen über Tod und Jenseits zum Verständnis moderner Lebenswelten beitragen.
Endlich frei!
Wir waren in den Ferien, oder freuen uns noch auf sie. «Endlich frei!», sagt man dann am Strand, oder wo immer man die Ferien gerne verbringt. Das erinnert mich an den Märchenfilm Die stolze Prinzessin (Pyšná princezna), gedreht im Jahr 1952 während der stalinistischen Ära in der Tschechoslowakei. Dennoch hat man sich auch in diesem Film einen Witz erlaubt: Denn in diesem Märchen lebt ein Schuhmacher in einem Königreich, wo das Singen verboten wurde (und das dem totalitären Regime nicht ganz unähnlich ist). Glücklicherweise wohnt er aber an der Grenze zu einem anderen Königreich, das frei ist. Und so geht er, wann immer er es nicht mehr aushalten kann, schnell hinter den Grenzstein ins Nachbarland und singt seine Lieblingslieder. Natürlich würde er lieber zu Hause bleiben, doch dort darf er eben nicht singen. Nun könnte man sagen, wir leben doch in der freien Schweiz, das trifft auf uns nicht zu. Doch sind wir in unserem Alltag wirklich so frei? Oder erinnert unser Leben bereits an das Leben des Schuhmachers, sodass wir nur in den Ferien unsere Lieblingslieder singen können?
Der Hauch Gottes
Wenn man «Pfingsten» sagt, denken diejenigen, die mehr im Blick haben als einen freien Montag und die Ferien, vor allem an die Erzählung aus der Apostelgeschichte (Apg 2,1–13). Hier, im zweiten Teil seines literarischen Diptychons, erzählt der Evangelist Lukas, was nach der Auferstehung Christi passiert ist: Vierzig Tage hindurch erscheint der Auferstandene seinen Jüngern und erzählt ihnen über das Reich Gottes, bis er schliesslich in den Himmel aufgenommen wird. Und nach zehn Tagen, am fünfzigsten Tag nach Ostern (Griechisch «Pentēkostē» – davon auch das deutsche Wort «Pfingsten»), ist es endlich so weit – der verheissene Heilige Geist kommt:
Die Tempelreinigung (Joh 2,13–22)
Er aber sprach über den Tempel seines Leibes … (Joh 2,21)
Vom offenen Himmel (Mk 1,7–11)
Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete… (Mk 1,10)
Gott alles in allem
Der Herbst ist wieder da und mit ihm das Wetter, das viele von uns etwas melancholisch stimmt. Der Nebel, Regen und die Natur, die sich langsam auf den Winterschlaf vorbereitet, laden zum Nachdenken ein. Und am letzten Sonntag im November blicken wir auch auf das vergangene Kirchenjahr zurück und sind in Gedanken bei den Menschen, die wir in diesem Jahr verloren haben. Wir nennen diesen Sonntag den «Ewigkeitssonntag», denn wir werfen einen Blick in die Ewigkeit. Und als Christinnen und Christen sehen wir dort Christus, der als König über alles regiert. Deswegen wird dieser Sonntag in einigen Kirchen auch als «Christkönigssonntag» bezeichnet. Und am Ende der Zeit wird auch der Tod entmachtet, wie es Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt:
Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod. Wenn Christus dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei. (1. Korinther 15,26.28)
Die Ewigkeit stellt den Tod der Zeit dar und mit ihr stirbt auch der Tod. Was übrig bleibt, ist «Gott», der «alles in allem» ist. Da Gott aber nicht zeitlich ist, ist es von der Perspektive der Ewigkeit her betrachtet schon jetzt der Fall. Doch wir als Menschen, zumal wir im Unterschied zu Gott zeitlich sind, sehen nur einen kleinen Ausschnitt des Ganzen.
Der bekannte Religionsphilosoph Alan Watts (1915–1973) erzählt dazu ein schönes Gleichnis. In seinem Buch Die Illusion des Ich (On The Taboo Against Knowing Who You Are) schreibt er:
Wenn ich einen Baum zum ersten Mal im Winter sehe, dann kann ich annehmen, dass es kein Obstbaum ist. Aber wenn ich ihn im Sommer wieder sehe und feststelle, dass er voller Pflaumen hängt, dann muss ich sagen: »Entschuldigung! Du bist doch ein Obstbaum.«
Auch wir wissen nicht, wer wir wirklich waren und sind und was wir in der Ewigkeit sein werden, zumal wir nur unser heutiges Leben kennen. Doch von der Gegenwart her auf das Ganze zu schliessen, wäre genauso töricht, wie über einen Obstbaum im Winter zu urteilen, oder zu denken, den Herbst darf es nicht geben. Allerdings wissen wir, dass der Herbst zum Kreislauf der Jahreszeiten gehört, in dem nach dem Winter der Frühling kommt. Und so lassen wir uns die Freude an den bunten Blättern und vielleicht auch an dem Nebel und später an dem Schnee nicht nehmen. Und dies sollten wir auch bei den Jahreszeiten unseres Lebens tun!


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