Tagzeitenliturgie

Der Rhythmus von Tag und Nacht, von Wachen und Schlafen ist eine Grunderfahrung des Lebens, die sich von Gott getragen wissen darf. Sie findet ihren Ausdruck im Gebet an den Wendepunkten des Tageslaufs.

– Evangelisch-reformiertes Gesangbuch  (RG)

Tagzeitengebete im RG

  • Morgengebet (Laudes)№ 555
  • Mittagsgebet (Sext): № 583
  • Abendgebet (Vesper): № 586
  • Nachtgebet (Komplet): № 610

Te Deum

 
Das ökumenische Stundengebet mit Schriftlesungen zum heutigen Tag:

•  Benediktinerabtei Maria Laach

Das Rad der Zeit

Nun sind einige bei dem Blick auf das adventliche Leitbild vielleicht etwas erschrocken: Denn wir haben Ende September und hier ‹weihnachtet› es fast schon, wie in einigen Einkaufszentren im Oktober. In unserem Fall ist aber nicht die Marketingabteilung daran schuld, sondern die Tatsache, dass wir dieses Jahr den 1. Advent schon am 30. November feiern. Tempus fugit velut umbra, «die Zeit flieht, wie der Schatten», würde man in der Antike sagen. Denn diese Erfahrung ist nicht neu, und die Instrumente, die uns eigentlich helfen sollten, mit der Zeit zurechtzukommen, scheinen die Zeit eher zu beschleunigen. Dies erinnert mich an die Folge «Der Maulwurf und die Uhr» (1994) aus der Kinderfernsehserie Der kleine Maulwurf: Hier leben die Tiere friedlich im Wald, bis dort eines Tages ein Lastwagen eine Weckuhr verliert. Der neugierige und erfinderische Maulwurf nimmt die Uhr natürlich gleich in Betrieb und bald wird das Leben im Wald streng nach der Uhr geregelt und durchgetaktet; bis alle am Ende mit ihren Kräften sind. Zum Glück bringt die weise Eule die Uhr eines Tages weg und so bekommen die Tiere im Wald ihr altes Leben zurück. Interessant und lehrreich finde ich an dieser Geschichte, dass die Uhr den Tieren im Wald nicht aufgezwungen wurde, sondern sie wollten sie selbst haben. Sie liessen sich von ihr also freiwillig ‹versklaven›, wie viele von uns.

Der schlesische Mystiker des 17. Jahrhunderts Johannes Scheffler (1624–1677), auch Angelus Silesius genannt, schreibt in seinem Buch «Cherubinischer Wandersmann» (1675) zu diesem alten Thema der Menschheit folgende schöne Zeilen, die noch heutzutage in einem Meditationshandbuch stehen könnten:

Nichts ist, das dich bewegt /
du selber bist das Rad /
Das auß sich selbsten laufft /
und keine Ruhe hat.
(I.37)

Natürlich müssen wir Termine rechtzeitig wahrnehmen und planen, doch wir sollten uns nicht von der Uhr und dem Terminkalender versklaven lassen. Denn nur von uns hängt ab, wie schnell sich das Rad in unserem Inneren dreht. Das ist nicht einfach und jede und jeder von uns muss herausfinden, wie man das innere Rad immer wieder zur Ruhe bringen kann. In den Klöstern wird die Arbeit mehrmals am Tag vom Gebet unterbrochen und vielleicht wäre dies auch eine Lösung für unseren Alltag: Bewusst Zeiten einplanen, wo ich ein (Gebets)buch lese, Musik höre, oder mich einfach nur dem Müssiggang widme.

Vom Umgang mit Mammon (Lk 16,1–9)

16 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Denn du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Was soll ich jetzt tun, da mein Herr mir die Verwaltung entzieht? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun werde, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem anderen, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin und schreib fünfzig! Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig! Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte, und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es zu Ende geht!

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Unsere Berufung

Die liturgische weisse Farbe der Osterzeit wird nun in der Kirche zuerst von der roten Farbe des Pfingstfestes abgelöst und später für eine lange Zeit von der grünen Farbe der Trinitatiszeit. Die weisse Farbe erstrahlt zwar noch ab und zu, wie die rote Farbe auch, die grüne Farbe wird uns aber in der Kirche den ganzen Sommer bis tief in den Herbst begleiten. Deswegen nennt man sie oft auch die «Alltagsfarbe» im Kirchenjahr. Der Alltag in der Kirche ist also nicht ‹grau›, sondern ‹grün› und dies hat etwas mit dem Wachstum zu tun. Und zwar nicht nur mit dem Wachstum der Kirche, sondern auch mit dem persönlichen Wachstum. In diesem Sinne könnte man auch sagen, dass Grün die Farbe unserer Berufung ist. Denn das Leben der Christinnen und Christen beginnt mit der Taufe, also mit der weissen Farbe, die uns an Ostern an die Auferstehung Christi erinnert. Erwachsen und ausgestattet für das neue Leben wird man dann vom Feuer des Heiligen Geistes, das die rote Farbe symbolisiert, die aus diesem Grund an Pfingsten und bei der Konfirmation erstrahlt. Doch das alles ist nur der Anfang.

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Wie Phönix aus der Asche

Mit dem Aschermittwoch am 5. März beginnt die Passionszeit und wie es der Name schon verrät, hat dieser Tag etwas mit der Asche zu tun: In vielen Kirchen werden die Gläubigen an diesem Mittwoch in einem besonderen Gottesdienst mit einem Aschenkreuz auf der Stirn gezeichnet. Die Asche stammt traditionell von den Palmzweigen, die im vergangenen Jahr im Gottesdienst am Palmsonntag gesegnet wurden. Die Asche ist hiermit bereits materiell mit der Karwoche und mit Ostern verbunden. Sie symbolisiert so nicht nur die Busse und Reinigung, die sie (gemischt mit Wasser) auch physisch bewirken kann, sondern sie ist vielmehr ein Symbol für die vorösterliche Zeit. Denn ohne Asche gibt es keine Auferstehung! Dies illustriert sehr schön auch die Legende vom Phönix, die um das Jahr 200 n. Chr. in einer frühchristlichen Schrift in Ägypten erzählt wird:

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Ende und Anfang

Wer eine Weile in Übersee verbracht hat, der wurde zweifelsohne mit einigen kulturellen Unterschieden konfrontiert. Einer von diesen Unterschieden ist der Wochenkalender. Denn dieser beginnt in den Amerikas in den meisten Fällen mit dem Sonntag. Das ist für uns etwas ungewöhnlich und es bringt am Anfang auch den einen oder anderen Termin durcheinander. Doch die Tatsache, dass der Sonntag in unserem Kulturkreis der erste Tag der Woche ist, ist vollkommen richtig und man kann es in der Bibel leicht nachlesen (vgl. Mk 16,2).

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