Das Rad der Zeit

Nun sind einige bei dem Blick auf das adventliche Leitbild vielleicht etwas erschrocken: Denn wir haben Ende September und hier ‹weihnachtet› es fast schon, wie in einigen Einkaufszentren im Oktober. In unserem Fall ist aber nicht die Marketingabteilung daran schuld, sondern die Tatsache, dass wir dieses Jahr den 1. Advent schon am 30. November feiern. Tempus fugit velut umbra, «die Zeit flieht, wie der Schatten», würde man in der Antike sagen. Denn diese Erfahrung ist nicht neu, und die Instrumente, die uns eigentlich helfen sollten, mit der Zeit zurechtzukommen, scheinen die Zeit eher zu beschleunigen. Dies erinnert mich an die Folge «Der Maulwurf und die Uhr» (1994) aus der Kinderfernsehserie Der kleine Maulwurf: Hier leben die Tiere friedlich im Wald, bis dort eines Tages ein Lastwagen eine Weckuhr verliert. Der neugierige und erfinderische Maulwurf nimmt die Uhr natürlich gleich in Betrieb und bald wird das Leben im Wald streng nach der Uhr geregelt und durchgetaktet; bis alle am Ende mit ihren Kräften sind. Zum Glück bringt die weise Eule die Uhr eines Tages weg und so bekommen die Tiere im Wald ihr altes Leben zurück. Interessant und lehrreich finde ich an dieser Geschichte, dass die Uhr den Tieren im Wald nicht aufgezwungen wurde, sondern sie wollten sie selbst haben. Sie liessen sich von ihr also freiwillig ‹versklaven›, wie viele von uns.

Der schlesische Mystiker des 17. Jahrhunderts Johannes Scheffler (1624–1677), auch Angelus Silesius genannt, schreibt in seinem Buch «Cherubinischer Wandersmann» (1675) zu diesem alten Thema der Menschheit folgende schöne Zeilen, die noch heutzutage in einem Meditationshandbuch stehen könnten:

Nichts ist, das dich bewegt /
du selber bist das Rad /
Das auß sich selbsten laufft /
und keine Ruhe hat.
(I.37)

Natürlich müssen wir Termine rechtzeitig wahrnehmen und planen, doch wir sollten uns nicht von der Uhr und dem Terminkalender versklaven lassen. Denn nur von uns hängt ab, wie schnell sich das Rad in unserem Inneren dreht. Das ist nicht einfach und jede und jeder von uns muss herausfinden, wie man das innere Rad immer wieder zur Ruhe bringen kann. In den Klöstern wird die Arbeit mehrmals am Tag vom Gebet unterbrochen und vielleicht wäre dies auch eine Lösung für unseren Alltag: Bewusst Zeiten einplanen, wo ich ein (Gebets)buch lese, Musik höre, oder mich einfach nur dem Müssiggang widme.

Vom Umgang mit Mammon (Lk 16,1–9)

16 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Denn du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Was soll ich jetzt tun, da mein Herr mir die Verwaltung entzieht? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun werde, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem anderen, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin und schreib fünfzig! Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig! Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte, und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es zu Ende geht!

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