Zum Ewigkeitssonntag (Joh 11,21–27)

Ich bin die Auferstehung und das Leben (Joh 11,25)

«Ich bin die Auferstehung und das Leben…», sagt Jesus im 25. Vers unserer Erzählung aus dem Johannesevangelium. Ein bekannter Vers, den wir oft bei Abdankungen hören und der in vielen Kirchen zur Liturgie des Gedenkens an die Verstorbenen gehört, sei es der evangelische «Ewigkeits-» oder «Totensonntag» am letzten Sonntag des Kirchenjahres, oder der katholische Gedenktag «Allerseelen» am Anfang November. Und dann hören wir diesen Vers wieder im Frühling zu Ostern, wenn wir die Auferstehung Jesu feiern. Nicht ohne Grund nennt man also den Ewigkeitssonntag auch das «herbstliche Osterfest» und es gibt Kirchen die an diesem Tag wie zu Ostern die weisse liturgische Farbe verwenden, um die Auferstehung von den Toten zu betonen. Denn unsere Verstorbenen werden in Christus auferstehen – das ist unser Glaube und unsere Hoffnung. Ich habe mich heute für die violette Farbe entschieden. Nicht aus dem Grund, weil ich die Auferstehung nicht betonen wollen würde – ich denke, das kann man nicht genug oft tun –, sondern, weil ich überzeugt bin, dass wir hier immer zu schnell ans Ende der Geschichte kommen ohne uns des langen Weges, den jede und jeder von uns im Leben gehen muss, bewusst zu werden. So lesen wir oft auch die heutige Erzählung zu schnell und vom Ende her, zumal die meisten von uns schon wissen, wie es ausgeht: Jesus wird Lazarus, den Bruder von Marta und Maria, auferwecken. Doch bei dieser schnellen Lektüre übersehen wir viele Kleinigkeiten, die vielleicht theologisch nicht so bedeutend sind, doch für unser Leben auf dieser Welt einen Unterschied machen. Denn das Leben besteht vor allem aus Kleinigkeiten und es sind oft Kleinigkeiten, die uns wirklich glücklich machen: ein kleines gebasteltes Geschenk von unseren Kindern, eine kleine Blume als Zeichen der Liebe oder ein gutes Wort als Zeugnis der Freundschaft. Das alles macht das Leben aus und das alles macht uns menschlich. Und das alles macht auch Gott ‹menschlich›. Denn, wenn es am Anfang des Johannesevangeliums heisst, dass Gott Mensch geworden ist, bedeutet es auch, dass wir einen Gott haben, der ‹menschlich› ist: Er ruft nicht einfach vom Himmel her: «Ich bin die Auferstehung und das Leben», sondern am Grab auf der Erde – er geht unseren Weg mit uns und leidet und weint mit uns.

Denn ein paar Verse weiter heisst es in unserem Evangelium: «Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus» (Joh 11,33–35). Jesus weint am Grab von seinem Freund Lazarus, obwohl er weiss, dass er ihn bald zum Leben erwecken wird. Doch es ist noch nicht so weit und das Wissen macht den Schmerz nicht leichter, denn das Wissen hilft nur dem Kopf und der Mensch ist mehr. Der bekannte chilenische Dichter Pablo Neruda schreibt in einem seiner Gedichte: «Es war schön zu leben, da du lebtest». Er bringt in einem einfachen Vers das auf den Punkt, was im Leben wirklich von Bedeutung ist: Die Beziehung zu Menschen, die wir lieben. Und solange die Trennung da ist, die der Tod verursacht, solange dauert auch der Schmerz an, auch wenn wir wissen, dass die Toten auferstehen werden. Denn das weiss auch Marta in unserer Erzählung, wenn sie zu Jesus sagt: «Ich weiss, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag». Sie glaubt und hofft, wie wir, dass eines Tages – am Ende der Geschichte – wir und all unsere Verstorbenen auferstehen werden. Doch heute ist ihr Bruder noch tot. Und besonders bitter ist die Tatsache, dass es nicht so hätte sein müssen: «Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben», sagt sie zu Jesus. Denn er hätte ihn bestimmt – wie all die anderen – geheilt. Jetzt ist aber zu spät. Und in diese Situation, wo nichts mehr zu machen ist, kommt das Wort Jesu: «Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt». Er sagt nicht etwa: ‹Keine Angst, ich werde ihn gleich auferwecken›, sondern: «Ich bin die Auferstehung», wo er das ‹jetzt und da› betont. Und um zu zeigen, dass sein Wort wahr ist, erweckt er Lazarus vor den Augen der Trauergemeinde wieder zum Leben. Doch was hat das mit uns und unseren Verstorbenen zu tun?

In einem alten Taufbekenntnis der Kirche, das oft einfach nur das ‹Apostolikum› genannt wird, heisst es am Ende: «Credo in … Sanctorum communionem» / «Ich glaube … an die Gemeinschaft der Heiligen». Damit ist etwa nicht gemeint, dass wir glauben sollten, die «Heiligen» haben es gut – sie haben im Himmel eine gute Gemeinschaft. Nein, mit den Heiligen sind wir gemeint. Das Bekenntnis bringt zum Ausdruck, dass wir als Kirche nicht nur eine Gemeinde der Lebenden sind, sondern auch aller in Christus Verstorbenen. In einer Benediktinerabtei in Deutschland bringt diesen Glauben sehr schön die Kirchenarchitektur zum Ausdruck: Das Chorgestühl, wo die Mönche jeden Tag das Gebet singen, bildet in der Kirche vor dem Altar einen Halbkreis. Auf der anderen Seite der Kirchenmauer hinter dem Altar befindet sich dann ein zweiter Halbkreis – der Friedhof, wo die Verstorbenen Brüder ruhen. So schliesst sich der Kreis der Gemeinschaft der Heiligen und des Lebens.

Und so ist das Schrecklichste, was der Tod verursacht, nämlich die Trennung von unseren Liebsten, in Christus nicht mehr vorhanden. Aus unserer Perspektive können es noch Jahre oder Jahrzehnte sein, bevor wir uns wiedersehen, aus der Perspektive der Verstorbenen sieht es aber ganz anders aus: Sie sind in Christus bereits auferstanden. Denn die Zeit spielt bei Gott keine Rolle. Das bedeutet nicht, dass wir nicht trauern dürften und zweifelsohne müssen wir einen Weg gehen, den auch die Schwestern Maria und Marta in unserer Erzählung gegangen sind. Wir gehen diesen Weg aber nicht allein und in Christus sind wir von unseren Verstorbenen nicht mehr getrennt. Wir sind die Gemeinschaft der Heiligen und sind als Kirche der Lebenden gemeinsam unterwegs. Das Gedicht von dem deutschen Priester und Lyriker Wilhelm Willms bringt dieses Gemeinsam-unterwegs-sein sehr schön zum Ausdruck:

welcher engel wird uns sagen
dass das leben weitergeht
welcher engel wird wohl kommen
der den stein vom grabe hebt

wirst du für mich
werd ich für dich
der engel sein

welcher engel wird uns zeigen
wie das leben zu bestehn
welcher engel schenkt uns augen
die im keim die frucht schon sehn

wirst du für mich
werd ich für dich
der engel sein

welcher engel öffnet ohren
die geheimnisse verstehn
welcher engel leiht uns flügel
unsern himmel einzusehn

wirst du für mich
werd ich für dich
der engel sein

Die Engel helfen Menschen, die unterwegs sind, rufen sie zur Umkehr und künden zukünftige Ereignisse an. So ist auch das Violett eine liturgische Farbe der Erwartung, der Besinnung und der Umkehr. Sie fokussiert sich auf den Weg und die Vorbereitung auf etwas Grösseres: Wir treffen sie bald in der Adventszeit an, wo sie uns auf dem Weg zur Christnacht begleitet, und im Frühling in der Fastenzeit vor Ostern, bis beide Male die weisse Farbe alles wieder erhellt. Und auf diese Art und Weise ist sie uns auch heute ein Zeichen dafür, dass wir unterwegs sind: von der schwarzen Farbe des Todes zu der weissen Farbe der Auferstehung und des Lebens.

Die Berufung des Natanaëls (Joh 1,43–51)

Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen? (Joh 1,46)

Jeder von uns kennt es wahrscheinlich: je älter man wird, desto weniger Illusionen hat man. Irgendwann hat man erfahren, dass die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum in Wirklichkeit nicht von dem Christkind sind, aber das war erst der Anfang, denn inzwischen ist man erwachsen geworden. Man ist kein kleines Kind mehr und weiss, wie die Welt funktioniert. Man hat gelernt die Sachen realistisch zu sehen und weiss, dass einiges sehr unwahrscheinlich ist: Echte Wunder passieren selten und auch von der Politik sollte man nicht zu viel erwarten. Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer und auch die Kirche wird die Welt nicht retten, sonst hätte sie es ja schon getan. «Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun», wie es im Buch Kohelet sehr schön geschrieben steht (Koh 1,9). Die Bibel ist hier – im Unterschied zu vielen gesellschaftlichen Utopien – sehr realistisch, was die Menschen betrifft, sie hat keine Illusionen. Die Schrift ist voll von Geschichten über Menschen, die versagen, dem Herr nicht folgen, nicht glauben oder einfach so ziemlich skeptisch sind, wie zum Beispiel Natanaël in unserer Erzählung.

Als ihn Philippus unter dem Feigenbaum findet und ihm fröhlich verkündet: «Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret», antwortet dieser Natanaël einfach: «Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen?» – und dies etwa nicht aus dem Grund, weil aus Nazaret nur Schlechtes komme. Nein, es ist vielmehr überraschend, dass aus diesem galiläischen ‹Kaff› überhaupt etwas kommt. Was für eine Arroganz, würde man heute sagen. Doch Natanaël hat jeden Grund zu dieser Skepsis: Er ist ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit, und wohl in der Schrift belesen, wenn man dies aus der Tatsache herauslesen darf, dass er unter einem Feigenbaum sass, wo ein echter Israelit die Schrift studiert. Jedenfalls steht in seiner Bibel nichts von «Nazaret». Und hätte er die Möglichkeit gehabt, die Experten heranzuziehen – wie wir es heutzutage gerne tun oder wie es König Herodes im Matthäusevangelium tat (Mt 2,5) –, würden sie es bestätigen: Der Messias kommt nicht aus «Nazaret», sondern aus «Betlehem in Judäa». Also kein Grund für Natanaël mit dem verwirrten Philippus irgendwohin zu gehen, denn Mose und andere Propheten haben nichts über Nazaret geschrieben. Einfach gemütlich unter dem Feigenbaum bleiben, lesen, studieren, geniessen und auf den Messias warten.

Natanaël war also ein guter Israelit und die Schrift und die Theologen seiner Zeit wären zweifelsohne auf seiner Seite gewesen. Deswegen ist es etwas unverständlich, dass er dann doch aufsteht und mit Philippus geht. Und dieser muss ihn nicht einmal überreden, sondern er sagt zu ihm einfach: «Komm und sieh!». Vielleicht war Natanaël nur neugierig oder es war mit der Zeit doch langweilig unter dem Feigenbaum? Das Motiv erfahren wir von dem Evangelisten nicht und dieses spielt in seiner Erzählung auch keine Rolle. Wichtig ist nur, dass er irgendwann aufsteht und mit Philippus zu Jesus kommt – das ist das einzige, was in den johanneischen Erzählungen zählt. In diesem Augenblick verändert sich nämlich sein Leben und nichts ist mehr wie es einmal war: Denn dieser Jesus sieht eindeutig etwas, was eigentlich nur Gott sehen kann, wie es auch der Psalmist bekennt: «Herr, du hast mich erforscht, und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weisst von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken» (Ps 139,1–2). In diesem Augenblick, in dem Natanaël von Jesus erkannt wird, erkennt Natanaël auch Jesus und er wird für ihn zum «Meister», zum «Sohn Gottes» und dem «König von Israel»; ungeachtet dessen, dass er aus Nazaret kommt.

Die Botschaft des Johannesevangeliums ist hier einfach: Menschen verändern sich, wenn sie Jesus begegnen, zumal sie in ihm Gott begegnen. Und das Leben der Menschen, die Gott begegnen, verändert sich auch; wie bei Natanaël: Zu ihm heisst es am Ende unserer Erzählung: «Du wirst noch Grösseres sehen … ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn». Ein rätselhaftes Wort, ein Spruch, wie aus einem Orakel – was soll man sich darunter vorstellen? Es ist eine Anspielung auf eine uralte Erzählung aus Genesis 28, wo sich Gott im Traum auf genau dieser Art und Weise Jakob offenbart, der gerade auf der Flucht vor seinem Bruder Esau ist – ohne Schutz, ohne Essen, ohne Kleider und ohne Heimat. Doch in dieser Nacht gibt ihm Gott eine neue Heimat, nämlich das Land, wo er übernachtet hat, und Jakob nennt den Ort Bet-El (Gotteshaus). Und so können wir jetzt auch den rätselhaften Spruch Jesu verstehen: Natanaël und allen, die Jesus folgen, wird eine neue Heimat mit einem neuen «Haus Gottes» versprochen – einem Ort, wo das Tor zum Himmel ständig offen ist, wo die Engel wie Postboten ohne Unterbruch hin und her pendeln und die Erde mit dem Himmel verbinden. Natanaël und die ersten Jünger konnten diese «Hochzeit» zwischen der Erde und dem Himmel auch gleich erleben und zwar in dem Heimatort von Natanaël in Kana in Galiläa (vgl. Joh 21,2), wo Jesus das Wasser in Wein verwandelt hat. Die Erzählung folgt unmittelbar nach unserer Geschichte und am Ende heisst es: «So tat Jesus sein erstes Zeichen … und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn» (Joh 2,11). Und wir alle wissen, dass es in der Tat erst der Anfang dieser ganzen wunderbaren Geschichte Gottes war.

Doch sehr wahrscheinlich wäre nichts davon passiert, wenn Natanaël unter dem Feigenbaum geblieben wäre. Was hat ihn bewegt? Wir wissen es nicht, es steht aber ziemlich fest, dass es keine theologischen Argumente oder Schriftbeweise waren. Die wären nutzlos gewesen. Es heisst einfach «Komm und sieh!», mit anderen Worten: Komm und mache deine eigene Erfahrung. Philippus wusste, dass ihn die Begegnung mit Jesus verändern wird, und vielleicht auch, dass Natanaël neugierig und für Neues offen ist. An einer anderen Stelle in der Bibel heisst es: «Werdet wie die Kinder!» (Mt 18,3). Es bedeutet für mich unter anderem: Bleibt neugierig, bleibt offen für Neues, aber auch: Ihr könnt Fehler machen, ihr könnt ausprobieren, und lasst euch nicht davon abraten Träume zu haben. Die Einladung «Komm und sieh!» funktioniert aber nur dort, wo etwas zu sehen ist: Wenn man wirklich die Möglichkeit hat das «Haus Gottes» zu betreten, Gott zu begegnen und diese Erfahrung zu machen. Doch das «Haus Gottes» erinnert zur Zeit Jesu eher an den Tempel zur Zeit Elis und seiner Söhne aus unserer ersten Lesung. Dort heisst es: «In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig». Mit anderen Worten: Das Tor zum Himmel war mehr oder weniger geschlossen. Denn Elis Söhne haben aus dem «Haus Gottes» ein Unternehmen gemacht – nicht ganz unähnlich dem Tempel zur Zeit Jesu, wo es heisst: «Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!» (Joh 2,16). Heute sind wir der Tempel Gottes (Eph 2,21) und es macht auch heute einen fundamentalen Unterschied, ob unsere Vision von der Marketing-Abteilung stammt oder von Gott. Denn in dem ersten Fall bringen wir Menschen nur zu uns, in dem zweiten Fall dagegen zu Gott. Und nur in diesem Fall gilt uns das Wort des Apostels: «Ihr seid jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes» (Eph 2,19).

Unsere Aufgabe als Kirche unterscheidet sich nicht von der des Philippus, nämlich Menschen einfach zu «Jesus« zu bringen, wobei «Komm und sieh!» im Grunde die einzigen Worte sind, die wir dazu brauchen. Die einzige Voraussetzung ist allerdings, dass Menschen in unserer Mitte diese Erfahrung machen können, das heisst «Jesus» und hiermit «Gott» begegnen. Mit anderen Worten gesagt, dass wir als Christen authentisch sind. Unsere Sorge sei also an erster Stelle ein wahrer Tempel Gottes zu werden, ein Ort, wo die Engel ohne Unterbruch auf- und niedersteigen können, um die Erde mit dem Himmel zu verbinden, und nicht die Besucher-Zahlen, wie in einer Markthalle. Doch was bedeutet es konkret ein Tempel Gottes zu werden? Konkret bedeutet es für jede und jeden von uns und uns alle einen Raum im Alltag zu schaffen, der keine Markthalle ist, das heisst einen Raum der Stille, der von dem alltäglichen lauten Geschäft getrennt ist und den ich so bewusst wahrnehmen kann. Denn jeder Tempel braucht eine Mauer, die ihn von der Welt trennt und ist ein Bau, der sich von anderen Bauten unterscheidet. In dieser Zeit wende ich mich dann der «Lade Gottes» zu, das heisst der Schrift, und lasse die «Lampe Gottes», das heisst den Geist, brennen und sage wie Samuel zu Gott: «Rede, denn dein Diener hört». Das ist alles: Indem ich jeden Tag, (seien es nur 10 Minuten), einen kurzen Abschnitt der Schrift langsam Wort für Wort lese, darüber nachdenke und mit Gott spreche, werde ich zum Tempel Gottes und einem «lebendigen Stein» seiner Kirche (1Pe 2,5). Es sind kleine Schritte auf dem Weg mit Gott und sie sind nicht anspruchsvoll, doch entscheidend ist, ob ich wie Natanaël aufstehe und sie mache oder nicht, denn jede grosse Reise besteht aus vielen kleinen Schritten.

Das Wirken Jesu in Galiläa bei Johannes (WUNT II/325)

Buch

Das Wirken Jesu in Galiläa bei Johannes. Eine strukturale Analyse des vierten Evangeliums mit den Synoptikern, WUNT II/325, Tübingen 2012, ISBN 978–3–16–151720–4, http://www.mohr.de.

Abstract:Das Verhältnis des Johannesevangeliums zu den Synoptikern gehört seit Origenes zu den größten Problemen der Evangelienexegese und nach der Auflösung des seit P. Gardner-Smith bestehenden Konsenses steht es heute vor einer Neubestimmung. Zu dieser will auch der Autor des vorliegenden Buchs beitragen. Zbyněk Garský analysiert mit neueren textlinguistischen Methoden die intertextuellen Bezüge des vierten Evangeliums zu den Synoptikern und zeigt am Beispiel des Wirkens Jesu in Galiläa bei Johannes, dass die Lösung des Origenes im Grunde der Intention des Johannes entspricht. Der vierte Evangelist ist ein aufmerksamer Exeget der Synoptiker und schreibt sein Evangelium in einem literarischen Gespräch mit den drei älteren Evangelien, die er dabei einer allegorischen Relektüre unterzieht. Diese intertextuelle Schreibweise lässt sich mit dem von U. Eco geprägten Begriff als „intertextuelle Ironie“ bezeichnen und stellt ein seit der Antike bekanntes Phänomen dar, das die Allegorie und Allegorese kennzeichnet.

English

Das Wirken Jesu in Galiläa bei Johannes. Eine strukturale Analyse des vierten Evangeliums mit den Synoptikern [The Ministry of Jesus in Galilee in the Gospel of John. A Structural Analysis of the Intertextuality of the Fourth Gospel with the Synoptics], WUNT II/325, Tübingen 2012, ISBN 978–3–16–151720–4, http://www.mohr.de.

Abstract:The relationship of John’s Gospel to the Synoptics has been one of the major problems of gospel exegesis since Origen. Today, after the dissolution of the consensus which has ruled in biblical studies since P. Gardner-Smith, this relationship is in need of redefinition, to which the author of this book wishes to contribute. Zbynĕk Garský analyzes the intertextuality of the Fourth Gospel with the Synoptics by using new methods of text linguistics and by showing through the example of Jesus’ ministry in Galilee in the Gospel of John that the solution of this issue by Origen in fact corresponds to John’s intention. The fourth evangelist is a careful exegete of the Synoptics and wrote his gospel in a literary dialogue with the three older gospels, which he rereads allegorically. This kind of intertextual writing can be described as “intertextual irony,” a term established by U. Eco, a well-known phenomenon since antiquity which characterizes the allegory and allegorizing.

Die Bilder zum Buch: Vincent van Gogh & Paul Gauguin

Das Caféim französischen Arles im Herbst 1888 von Vincent van Gogh (links) und Paul Gauguin (rechts):

Quelle:

  • Vincent van Gogh (1853-1890), Das Nachtcafé, Arles, September 1888, Öl auf Leinwand, 72 x 92 cm, Yale University Art Gallery, New Haven, Connecticut [© 2011 Yale University – used by permission].
  • Paul Gauguin (1848-1903), Im Café, Arles, November 1888, Öl auf Leinwand, 72 x 92 cm, Staatliches Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin, Moskau [Wikimedia Commons].

Rezensionen | Reviews

Recherches de Science Religieuse, 103 (2015), 257–286 (Michèle Morgen)
Biblische Notizen163 (2014), 146–147 (Michael Ernst).
Biblica95 (2014), 462–465 (Maurizio Marcheselli).
Zeitschrift für Katholische Theologie136 (2014), 326–327 (Veronika Burz-Troppe).
Review of Biblical Literature6 (2014), Download PDF(Jeffrey M. Tripp).
Das Heilige LandHeft 1 (2014), 69 (Marco Petrelli).
Collectanea Theologica83 (2013), 224–227 (Bartosz Adamczewski).
Theologische Revue109.4 (2013), 289–290 (Hans Förster).
Theologie und Philosophie88.2 (2013), 299–301 (Johannes Beutler).
Journal for the Study of the New Testament35.5 (2013), 73–74 (Pieter J. Lalleman).
New Testament Abstracts57.1 (2013), 171.
Filologia Neotestamentaria25 (2012), 176.

Povolání Natanaele (J 1,43–51)

Co může z Nazareta vzejít dobrého? (J 1,46)

I když je tomu už pár let, kdy jsem naposledy stál zde vpředu a dnes jsem zde spíše jako host vás všech, kteří se zde setkáváte každou neděli, mohu vás snad přece jen pozdravit a přivítat na dnešní bohoslužbě, neboť tato určitá smělost se dá podle mého názoru ospravedlnit tím, že se tu stále cítím více jako doma, nežli jako host.

Každý člověk má určitá pouta, nejen k lidem, ale i k místům, některá z nich se časem oslabí a některá dokonce pominou, ale některá přetrvají – obzvláště ta, která se váží k dětství. Ta si myslím každý z nás nese v životě s sebou, ať jsou dobrá či zlá. Ta zlá člověka skutečně poutají a jsou mu okovy, ta dobrá jej ale naopak integrují s ostatními a pomáhají mu porozumět sobě samému a najít svou vlastní cestu, neboť lidská existence je podle mne uspokojivě definovatelná jen ve vztahu – ve spojení k druhýmlidem a k Bohu. V mém životě, mohu říci, to byla doposud vždy jen tadobrá pouta. Část Votic je a zůstane určitým způsobem vždy se mnou: nejen jako fotografie na stěně v Mnichově, ale hlavně ve vzpomínkách na dětství, kdy pro mě Votice byly nejen domovem skutečným, ale také mým prvním domovem duchovním. To, že zde dnes mohu přijmout kněžské svěcení, je dokladem toho, že ona dobrá pouta zůstanou jednou pro vždy. Vztahy jsou těmi vlákny, ze kterých je upředena velká část lidského bytí. Myslím, že jen ten, kdo se je rozhodne sám zpřetrhat, může zůstat skutečně sám. Pokud se přidržíme tohoto obrazu, mohli bychom říci, že Bůh je tkadlec, který tato vlákna spřádá dohromady, někteří dokonce věří, že má pro každého člověka určitý plán, dalo by se říci ‚mustr‘, vzor. Pro někohodocela obyčejný, pro někoho klasický a pro jiného zase velmi pestrý. O tom, dojaké míry je za výsledný vzor zodpovědný člověk a do jaké míry je vše Božím plánem, diskutují teologové staletí. Podle mě musí tam, kde má vzniknout něco nového, Bůh a člověk spolupracovat. Je prastarou lidskou zkušeností, že pro dílo, které se má zdařit, jen lidský talent, umění a vzdělanost nestačí. Bez pomoci Kalliopé, múzy múz, nevzejdou žádné verše a i vynikající malíř je bez inspirace: to, co chybí, jsou nové ideje, řečeno v podobenství: nová vlákna a nové vzory v šatu našeho života. Jak však být při tom, když chce Bůh přidat nové vzory do našeho obnošeného a každodenního života?Evangelium, které jsme dnes četli, nám o tom vypráví.

Příběh ze začátku Ježíšova působení vypráví o povolání Filipa a Natanaele, jedněch z prvních Ježíšových učedníků. Celé vyprávění nepostrádá onu typickou Janovskou ironii, která mnohdy nese až rysy komičnosti. Zatímco Filipovi stačila k jeho rozhodnutí následovat Ježíše dvě slova, totiž „Následuj mě!“, nebylo povolání Natanaele zdaleka tak hladké. Když ho Filip vyhledal a říká mu „Nalezli jsme toho, o němž psal Mojžíš v Zákoně i proroci, Ježíše, syna Josefa z Nazaretu. “, ví Natanael přesně, co se mu na celém Filipově vyznání nezdá: Nazaret; co dobrého může vzejít z ‚díry‘, jako je Nazaret? Natanael má svůj úsudek o této vesnici a možná i svou zkušenost. Filip, který pravděpodobně ví, že Natanaeli nic nevymluví, odpovídá „Pojď a přesvědč se!“ Zcela jistě asi jediná možná odpověď na podobnou skepsi. Když dorazí společně k Ježíši, není již pochyb o tom, že centrální postavou tohoto vyprávění je právě Natanael. Sotva ho Ježíš uviděl, říká mu „Hle, pravý Izraelita, v němž není lsti“. Čtenář, který by očekával nějakou pokornou odpověď jako například „Proč mi lichotíš Mistře?“, je Natanaelovou odpovědí „Odkud mě znáš?“, jinými slovy „Ano, pravý Izraelita, v němž není lsti, to jsem já!“ asi poněkud překvapen. Možná, že by trocha pokory neuškodila, aleNatanael není ve své řeči ‚úskočný‘ a říká věci každému přímo do očí aJežíš, o kterém se několik veršů dále píše, že „nepotřeboval, aby mu někdo o někom říkal svůj soud, neboť sám dobře věděl, co je v člověku“, ví nejen to, že Natanael seděl pod fíkovníkem, ale (stejně jako Bůh), zná i Natanaelovo srdce. Po rozhovoru s Ježíšem se mění nejen celý Natanaelův svět – již se neptá, ale vyznává: „Ty jsi Syn Boží, ty jsi král Izraele!“ – ale je spolu s Filipem i svědkem Božího zjevení: Amen, amen, pravím vám, uzříte nebesa otevřená a anděly Boží vystupovat a sestupovat na Syna člověka. Pro nový a velmi pestrý vzor v Natanaelově životě položil Bůh na tomto místě první vlákna.

Nevíme toho tolik, abychom mohli říci, co bylo s Natanaelem dál, ale to, co si chci alespoň já sám osobně z tohoto krátkého příběhu odnést, je Natanaelova otevřenost a to, že Bůh má smysl pro humor, neboť se stal člověkem.

Jak se píše ve Skutcích apoštolských, Bůh, který učinil svět a všechno, co je v něm, ten je pánem nebe i země, a nebydlí v chrámech, které lidé vystavěli, ani si nedává od lidí sloužit, jako by byl na nich závislý; vždyť je to on sám, který všemu dává život, dech i všechno ostatní. Bůh nestvořil člověka proto, aby mu přinášel oběti a stavěl chrámy, ale proto, aby s ním měl společenství. Otevřenost k novému, které se můžeme od Natanaele učit a pro kterou mi byl velkým vzorem i můj dědeček Václav Šustr, je podle mě prvním krokem a možná tím nejdůležitějším předpokladem na cestě k poznání Boha, ke společenství s Ním a ke spolupráci s Ním. Evangelia nám vypráví o těch, kteří byli otevření, nejdříve onomu novému učení Ježíše Nazaretského, později něčemu tak neslýchanému, jako je vzkříšení z mrtvých, a naposled i těm, kteří nebyli Židé; jejich jazyku a kultuře, jak nám to ilustruje Pavlova řeč na athénském Aeropagu. Nebýt této otevřenosti, zůstalo by křesťanství velmi pravděpodobně palestinskou sektou.

Své poslání budoucího kněze proto chápu především jako povolání k otevřenosti pro ty, kteří sami jsou na cestě za poznáním onoho ‚Neznámého Boha‘, který přecenení od nikoho z nás daleko. Skutečnost, že zde dnes kněžské svěcení mohu přijmout, je mi znamením, že i naše církev, Církev československá husitská, se pro tuto otevřenost rozhodla. Vždyť jen „v poznání tebe je celá spravedlnost a zvědě to tvé moci je kořen nesmrtelnosti“.

[GETSEMANY 126/2002, ISSN 1210-485X, http://www.getsemany.cz/node/378]