Die Freiheit der Nachfolge (Lk 9,51–62)

Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals
zurückblickt, taugt für das Reich Gottes. (Lk 9,62)

Wer das gestrige «Wort zum Sonntag» in Thuner Tagblatt gelesen hat, dem kommt jetzt am Anfang einiges bekannt vor, aber es lohnt sich dennoch bei der Predigt zu bleiben, denn ich werde alles, was ich gestern in der Zeitung zum heutigen Evangelium geschrieben habe, erweitern und vertiefen.

Der grosse Apostel Paulus, dessen Fest wir am Samstag (zusammen mit Petrus) gefeiert haben, schreibt ca. 20 Jahre nach dem Tod und Auferstehung Jesu in seinem Brief an die Galater:

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! Steht also fest und lasst euch nicht wieder in das Joch der Knechtschaft einspannen. (Gal 5,1)

Doch wer verbindet heute noch den Glauben oder die Religion mit der Freiheit? Das heutige Evangelium klingt auch nicht gerade so, als ob man sich frei entscheiden könnte: «Lass die Toten ihre Toten begraben» (Lk 9,60) und «Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes» (Lk 9,62), heisst es dort. Ist es also vielmehr nicht so, dass mit der Religion noch weitere Vorschriften und Regeln in unserem Leben Platz einnehmen, um es zu kontrollieren? «Du sollst nicht…» heisst es dann an jeder Ecke. Als ob man schon nicht genug Vorschriften hätte, die man ihm Leben befolgen muss. Mir persönlich reichen zum Beispiel schon die Regeln rund um die Steuererklärung, also nein, danke, ich brauche nicht noch mehr Regeln in meinem Leben!

Aber das ist genau das, was Paulus meint. Er schreibt den Christen in Galatien: Ihr seid frei von all den Vorschriften, die früher euer Leben bestimmt haben, und eigentlich wisst ihr das. Dabei waren es keine schlechten Vorschriften, sondern vor allem Regeln, die ihnen im Alltag geholfen haben nach Gottes Geboten zu leben. Doch sie haben eine Atmosphäre der Unfreiheit geschaffen und irgendwann wurde das Leben ‹überreguliert›. Und bestimmte Menschen und Institutionen lieben Vorschriften und die Religion ist hier keine Ausnahme. Und aus irgendeinem für mich unerklärlichen Grund lässt man sich sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche immer wieder «in ein Joch der Knechtschaft einspannen», wie es Paulus nennt. Ich habe selber so ein Joch erlebt. Denn aufgewachsen bin ich im ehemaligen Ostblock, wo praktisch jeder Bereich des Menschenlebens vom Staat bestimmt, reguliert und überwacht wurde – und was man nicht kontrollieren konnte, war verboten. Man hat also keine Freiheit gehabt. Danach kam die Wende und mit ihr die Freiheit, die grösser war (und zum Teil bis heute ist) als in vielen Ländern im Westen Europas. Doch nach dreissig Jahren stellt man fest, dass relativ viel von dieser Freiheit irgendwo unterwegs verloren gegangen ist. Denn die Freiheit kann man auf zweierlei Art und Weise verlieren: sie kann einem mit Gewalt genommen werden, was im ehemaligen Ostblock der Fall war, oder man kann sich freiwillig «in das Joch der Knechtschaft einspannen» lassen, was bei uns heute der Fall ist. Und egal ob es sich dabei um die Kirche oder die Gesellschaft handelt, alle Institutionen haben von Natur aus die Tendenz ihre Macht auszubauen und die Freiheit des Einzelnen einzuschränken oder ihm diese sogar zu nehmen. Deswegen war es auch den Reformatoren ein grosses Anliegen, dass die Gewissens- und Glaubensfreiheit des Einzelnen auch gegenüber der Kirche als Institution gewahrt bleibt. Doch diese Freiheit, die uns von Gott geschenkt worden ist und die uns auch in der Bibel schriftlich garantiert wird, muss der Einzelne leben und sie in Anspruch nehmen, damit sie gewahrt bleibt. Und das ist das grundsätzliche Problem mit der Freiheit, denn das tun wir sehr selten. Der einzige Weg, den ich hier sehe, ist der, dass wir unsere Freiheit positiv füllen, als eine Freiheit «zu» etwas. Denn eine Freiheit «von» etwas ist meistens nicht von langer Dauer. Wir sollten uns also jeden Tag nach einer noch grösseren Freiheit sehnen, nach einer Freiheit, die grösser ist als wir. Denn nur so behalten wir auch die Freiheit, die wir schon haben.

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer schreibt im Vorwort zu seinem bekannten Buch mit dem Titel «Nachfolge» folgende Zeilen:

Wenn die Heilige Schrift von der Nachfolge Jesu spricht, so verkündigt sie damit die Befreiung des Menschen von allen Menschensatzungen, von allem, was drückt, was belastet, was Sorge und Gewissensqual macht. In der Nachfolge kommen die Menschen aus dem harten Joch ihrer eigenen Gesetze unter das sanfte Joch Jesu Christi.

Das Joch Christi befreit uns und schützt uns vor dem Joch der Knechtschaft, wie es Jesus allen, die ihm nachfolgen, bei Matthäus verspricht:

Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. (Mt 11,28–29)

Es ist ein ungewöhnliches Bild: Wir sind eingeladen Ruhe und Erquickung unter einem Joch zu finden. Doch es ist ein Joch Christi, ein Joch des Herrn, der vollkommene Freiheit ist. Deswegen ist der Ruf Jesu zur Nachfolge auch so radikal – es ist ein Nachfolgen ‹ohne wenn und aber›:

  1. Einer will ihm nachfolgen und Jesus antwortet ihm: «Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann». Mit anderen Worten: Wenn du mir nachfolgst, bin «ich» die einzige Sicherheit, die du haben wirst.
  2. Zu einem anderen sagt er dann: «Folge mir nach», doch dieser will zuerst seinen Vater begraben;
  3. und der dritte will sich vorher von seiner Familie verabschieden – eine kleine Bitte, die zum Beispiel dem Propheten Elischa gewährt wurde. Doch Jesus erwidert ihm:

Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes. (Lk 9,62)

Das erinnert fast schon an Lot’s Frau, die bei der Zerstörung von Sodom und Gomora zurückblickt und zu einer Salzsäule wird (Gen 19,26). Wer zurückblickt, hat im Reich Gottes keine Zukunft.

Wir wissen nicht, wie sich die drei Menschen in unserer Erzählung entschieden haben. Und vielleicht hat es Lukas mit Absicht nicht geschrieben, damit wir als Leser für sie und uns eigene Entscheidung treffen können.

Doch warum diese Radikalität? Warum kann man nicht einfach zuerst den Vater begraben oder sich schnell von der Familie verabschieden?

Weil die Befreiung genauso radikal ist und nur auf diese Art und Weise geschehen kann. Es gibt im Leben nämlich Sachen, die nur dann möglich sind, wenn ich ganz «Ja» sage, wie zum Beispiel bei der Taufe oder der Trauung. Denn, so wie ich mich nicht nur «ein bisschen» taufen oder trauen lassen kann, kann ich nicht nur «ein bisschen» Jesus nachfolgen oder «ein bisschen» Christ sein. Beziehungsweise ich kann es sehr wohl tun, aber so eine ‹Nachfolge› bewirkt in meinem Leben rein gar nichts. Es ist nicht so, wie viele denken, dass sich mein Leben dadurch einfach «ein bisschen» verändern würde, nein, es passiert in dieser Hinsicht einfach gar nichts und alles bleibt beim Alten. Es ist, als ob ich bei der Trauung statt «Ja» «Vielleicht» sagen würde – auch in diesem Fall würde alles beim Alten bleiben und ich würde frisch unverheiratet wieder nach Hause gehen.

Und Jesus will nicht, dass wir nur «ein bisschen» freier werden, sondern er will uns ganz befreien. Deswegen diese radikale Forderung zur Nachfolge. Denn auch er, als er diese Worte über die Nachfolge gesagt hat, folgt nach. Es heisst am Anfang der Erzählung bei Lukas:

Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen. (Lk 9,51)

Er selber folgt seiner Bestimmung und geht nach Jerusalem, wo er verurteilt und gekreuzigt wird. Es reicht nicht, dass er «ein bisschen» leidet. Nein, er muss ganz sterben, damit er ganz auferstehen kann. Und so sollten auch wir ihm ganz nachfolgen und dem alten Leben ganz sterben, um in die Freiheit des neuen Lebens geboren werden zu können. Das ist die wahre Freiheit der Nachfolge Christi.

Die brennende Lampe des Herrn (Lk 1,5–17.57–66)

Er war die Lampe, die brennt und leuchtet… (Joh 5,35)

Wer ist wohl der bedeutendste Mensch aller Zeiten? Einige würden sagen Jesus, andere Buddha und andere wiederum Aristoteles, Galileo oder Albert Einstein. Es gibt auch verschiedene Ranglisten mit 50 oder sogar 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Geschichte. Doch wahrscheinlich niemand wird auf die verrückte Idee kommen Johannes den Täufer zu nennen und ich bin mir ziemlich sicher, man würde ihn wohl auf keiner dieser Listen finden.

Doch was sagt Jesus, der ja oft unter den einflussreichsten Persönlichkeiten der Geschichte genannt wird, über Johannes den Täufer? Es steht im 7. Kapitel des Lukasevangeliums:

Ich sage euch: Unter den von einer Frau Geborenen gibt es keinen grösseren als Johannes. (Lk 7,28)

Und auch der jüdische Historiker des ersten Jahrhundert Josephus Flavius schreibt über Johannes:

Manche Juden waren übrigens der Ansicht, der Untergang der Streitmacht des Herodes sei nur dem Zorn Gottes zuzuschreiben, der für die Tötung Johannes‘ des Täufers die gerechte Strafe gefordert habe. Den letzteren nämlich hatte Herodes hinrichten lassen, obwohl er ein edler Mann war, der die Juden anhielt, nach Vollkommenheit zu streben, indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit gegeneinander und Frömmigkeit gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen. (Antiquitates Judaicae XVIII 5,2)

Ja, Johannes war ein bedeutender Mann in der Palästina des ersten Jahrhunderts, aber «der Grösste unter allen von einer Frau Geborenen»? Wie ist das zu verstehen?

Die Kirche zählt Johannes den Täufer zu den Heiligen und feiert seit dem 5. Jahrhundert seinen Geburtstag. Das ist sonst nur bei Maria der Fall und natürlich bei Jesus. Und das ist auch der Grund dafür, dass man an diesem Tag, wie zu Weihnachten, die weisse liturgische Farbe verwendet. Bei allen anderen Heiligen feiert man nämlich den Todestag und die liturgische Farbe ist meistens rot. Die alte Kirche war sich also der Bedeutung Johannes‘ des Täufers sehr bewusst und in der orthodoxen Tradition ist Johannes bis heute der Heiligste aller Heiligen, dem die zweite Stelle nach Maria, der Gottesmutter gehört. Dennoch, denke ich, dass die meisten Christen heute nicht mehr wissen, was sie mit diesem Mann anfangen sollten. Für die meisten ist er ja vor allem ein ‹Wegweiser› für Jesus, doch wer braucht schon am Ende der Reise einen Wegweiser? Aber ist es wirklich so? Hat sich seine Aufgabe mit dem Kommen Jesu erübrigt und wir sind ihm jetzt nur aus sentimentalen oder historischen Gründen dankbar? Oder ist Johannes der Täufer doch mehr als nur ein Wegweiser in der Geschichte?

In allen vier Evangelien wird sein Wirken gleich am Anfang sehr detailliert geschildert: Er «trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig» und «verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden» (Mk 1,6.4). Und seine Predigt waren keine lieben Worte. Zu den Volksscharen, die hinauszogen, um sich von ihm taufen zu lassen, sagte er zum Beispiel: «Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen könnt» (Lk 3,7)? Ja, ich denke, so will keine Tauffamilie begrüsst werden….

Das Kommen Christi hat er dann mit folgenden Worten angekündigt: «Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen» (Lk 3,16–17). Und zweifelsohne meinte er damit das Feuer des Jüngsten Gerichts. Dennoch schreibt Lukas nach diesen Worten: «Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk und verkündete die frohe Botschaft». An dieser Stelle fragt man sich, was man hier eigentlich unter «frohe Botschaft» verstehen soll.

Es verrät uns aber etwas über die damalige Zeit. Diese war dunkel und man wollte im Grunde vor allem eine Sache: die Gerechtigkeit. Und zwar nicht die menschliche Gerechtigkeit, sondern die wahre Gerechtigkeit von Gott, der «die Mächtigen vom Thron stürzt und die Niedrigen erhöht», wie es schön im Magnificat, dem Lobgesang Mariens, heisst (Lk 1,52). Und vielleicht haben schon damals diese und ähnliche Worte Johannes geprägt, denn Maria, die Mutter Jesu, hat diesen Lobgesang gesprochen als sie der schwangeren Elisabet, der Mutter des Johannes, begegnet ist. Elisabet war damals schon im sechsten Monat und man liest bei Lukas: das Kind hüpfte in ihrem Leib als es die Stimme Marias hörte (Lk 1,41). Von Lukas wissen wir auch, dass Maria und Elisabeth verwandt waren, und, dass Johannes eben sechs Monate älter war als Jesus. Was auch der Grund ist, dass wir seine Geburt genau am 24. Juni feiern – sechs Monate vor Weihnachten. Die wundersame Geschichte seiner Geburt wurde von Lukas auch in die Geschichte der Geburt Christi, also in die Weihnachtsgeschichte, sehr schön eingewoben und mit ihr auf diese Art und Weise fest verbunden.

Johannes und Jesus verbindet also mehr als die Taufe und das Wirken. Es ist schon die Geburt, ja sogar vor der Geburt waren sie beide miteinander verbunden: der «Sohn des Höchsten» (Lk 1,32) und der «Prophet des Höchsten» (Lk 1,76). Dies muss man sich vor Augen halten, wenn man die Bedeutung des Johannes des Täufers verstehen will. Er ist nicht nur ein Wegweiser und ein Zeuge für Christus. Denn auch er wird in der Bibel das «Licht» genannt. Im Johannesevangelium heisst es: «Er war die Lampe, die brennt und leuchtet…» (Joh 5,35). Über Jesus heisst es: Er war das «wahre Licht» (Joh 1,9). Sie sind beide Lichter, Johannes und Jesus: Johannes die Lampe, das irdische/menschliche Licht; Jesus das himmlische/göttliche Licht. Nun könnte man natürlich sagen: Wer braucht am helllichten Tag, also nach dem Kommen Christi, noch eine Lampe? Doch der Tag ist noch nicht ganz gekommen – wir leben, wie die ersten Christen auch, noch zwischen den Zeiten, in der Zeit der Dämmerung: das Himmlische bricht ein, aber das Irdische ist immer noch da. Im Johannesevangelium sagt Jesus zu seinen Jüngern sogar:

Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. (Joh 9,4–5)

Und in der Nacht braucht man eine Lampe. Wenn man die Sonne nicht mehr hat, hilft uns die Lampe sich zu orientieren und das Feuer uns zu wärmen. Und im Leben von jedem von uns gibt es Abschnitte der Nacht, wenn die Sonne weg ist und die Dunkelheit und Kälte der Nacht sich ausbreiten. Und in diesem Fall hat man zwei Möglichkeiten: entweder in der Dunkelheit und Kälte auszuharren bis der Tag kommt oder eine Lampe und ein Feuer zu entzünden und sich auf den Weg zu machen und der Sonne entgegenzulaufen. Das heisst übersetzt: das menschlich Mögliche zu tun, um wieder herauszukommen. Und Johannes ist die mahnende Stimme, die uns dazu in den Nachtabschnitten unseres Lebens und den Nachtabschnitten der Geschichte ruft, und dies wird so bleiben bis der Herr wiederkommt. Bis dahin bleibt diese Spannung zwischen dem, was wir als Menschen tun können und müssen, und dem was nur Gott tun kann. Und jeder von uns muss hier ein Gleichgewicht finden, doch mit der Zeit sollte das Menschliche in unserem Leben abnehmen und das Göttliche zunehmen. Dies spiegelt sich symbolisch auch in dem liturgischen Kalender wider: mit dem Geburtstag des Johannes des Täufers, nach der Sommersonnenwende, nimmt der Tag ab; nach dem Geburtstag Jesu, der Wintersonnenwende, nimmt der Tag wieder zu. Wie Johannes selber gesagt hat: «Er muss wachsen, ich aber geringer werden» (Joh 3,30). Das ist das grosse Ziel zu dem uns Johannes ermahnt. Denn die Worte, die über ihn in der Schrift gesagt wurden, gelten auch heute für uns: «Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heissen; denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten» (Lk 1,76).

Tue also das Mögliche und bereite wie Johannes dem Herrn in deinem Herzen den Weg und Gott wird dir das Unmögliche dazugeben. Denn es gibt zwei Wege, wie Gott in unserem Leben wirkt, und hier unterscheidet sich auch die Predigt Jesu und die des Johannes: Beide, Jesus und Johannes, predigen die Gnade Gottes. Doch während Jesus den Menschen die Gnade schenkt und diese sie dann zur Umkehr führt, sagt Johannes: kehrt um, damit die Gnade kommen kann. Über Johannes sagte man zu seiner Zeit auch (Lk 7,33–34): «Er isst kein Brot und trinkt keinen Wein», er hat «einen Dämon». Und über Jesus sagte man wiederum: «Er isst und trinkt», siehe, ein «Fresser und Säufer». Doch die Wahrheit ist, dass es im Leben eines Menschen beides gibt: Eine Zeit der Umkehr und eine Zeit der Gnade, eine Zeit des Fastens und eine Zeit des Festens, und eine Zeit der Sonne und eine Zeit ohne Sonne, wenn wir nur eine brennende Lampe in Händen haben, die uns hilft den Glauben an das wahre Licht nicht zu verlieren bis der Tag wiederkommt. Denn auch eine kleine brennende Lampe in der Hand legt ein Zeugnis über die wahre und unbesiegbare Sonne ab, nach der wir unser Leben ausrichten, und hilft uns im Dunkel der Welt den Weg wieder zu finden.